Apropos Teetrinken, Schlürfgeräusche sind mir zuwider. Den metaphorischen Ohrenkrebs gibt es wirklich, heisst nur Misophonie oder Hyperakusis, je nachdem. Anyway, also Ruhe. Und wieso ich die in Berlin, sogar in unserer Dorfstraße nicht finde. Ja, es war einmal, aber nur weil es hier eine alte Kirche, einen Dorfteich und einen umfunktionierten Gutshof gibt, ist es noch lange nicht frei von Krach. Beispiele aus ICH HÖRE was, was du nicht hörst: die BAUSTELLE gegenüber habe ich schon des öfteren erwähnt. Schwamm drüber, nur dass letzte Woche das Gerüst des 5-stöckigen Fertigholzhaus' in eine Plastikplane á la Cristo eingewickelt wurde, und da es klimawandeltechnisch hier weht wie an der Nordsee, gibt es nun ständig Flatterkrach! Das Kopfsteinpflaster lässt jeden Wagen mächtig dröhnen, auch Fahrräder sind davon nicht verschont. Unsere 1.Stock Nachbarn haben zwei Graupapageien, die gerne mal mit Käfig auf den Balkon gestellt werden und sofort losflöten und trällern oder streiten, da platzt mir die Ohrtrommel sollte ich gerade mal in Sonnenanbeterpose draussen sitzen. Falls die Vögel ihre Klappen halten, könnten aber die beiden Katzen vom Nachbarn unter mir auf dem Balkon traurig miauzen, auch wenn ich nicht verstehe, wer sie rauslässt. Er ist nämlich uralt und bettlägerig. Von ihm hört man somit keinen Mucks. Braver Mann! Die Ara Familie hat ausserdem einen geistig behinderten Jungen, der meistens laut summt. Komisch, daran hab ich mich gewöhnt. Sein libanesischer Opa wohnt nebenan, hat auf dem Hinterhof gebrauchte Autos, an denen er rumbastelt, für den Polen-Abholdienst nachts bereit macht. Dabei wird schon mal rumgeschnauzt. Oder 6 Kleinkinder aus dem Clan springen kreischend auf dem Trampolin gleich neben den Gebrauchtwagen. In regelmässigen Abständen, wie kann es in Neukölln anders sein: Krankenwagen-, Feuerwehr oder Polizeisirenen. Auch Hubschrauber Richtung Krankenhaus oder zum BER hör ich. Dann sind da noch die 2 Berner Sennenhunde, die kläffen (in dem Moment schlagen sie Alarm) , oder der kleine Spitz, drei Oktaven höher. Mit zwei Kirchen links und rechts, darf ich das Glockengeläut nicht vergessen. Aber schön! Auch um 18 Uhr (noch wegen der Ukraine?), und zwei Mal im Jahr ist Rummel hinter dem Gutshof, wobei das Sausen der Fahrgeschäfte bei Windrichtung Nordost zu uns rüber dringt. Am Wochenende sind die Anfeuerungsrufe der Fussballzuschauer bei Spielen und abends die Partymusik aus dem Vereinsheim angesagt. Ansonsten singen die Meisen, gurren die Tauben, die dauernd auf mein Balkongitter springen, und unten donnert die Haustür.
Aber ich gebe zu: vor der Stille einer Kleinstadtwohnsiedlung hatte ich bei Rückkehr in den Moloch auch etwas Bammel. Kann ich das noch: RUHE ????? 18:30 Uhr, es zwitschert. Over+Out.

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