Sodele, egal welchen Koffer ich packe- bei Reisen, Kriegsflucht, Feueralarm - das wichtigste Utensil, was da rein muss ist meine Pinzette. Damit werden nämlich in regelmässigen Abständen meine schwarzen Barthaare, die bei frau ab 40 ja leider plötzlich spriessen, rausgezupft. Natürlich geht das nicht ohne einen Minivergrößerungsspiegel, und göttinseidank ist beides so klein, dass ich es locker auch in meine Manteltasche stopfen könnte. Zahnbürste und Kamm passten auch noch rein, aber dann ist Schluss. Der Russe kann kommen. Nee, ehrlich, hätte ich diese Pinzette nicht, würde ich jetzt mit 63 wie n Taliban rumlaufen. Und das muss auch auf der Flucht echt nicht sein. Wieso die meisten Haare um Mund und Kind babyblond sind, aber dann hie und da ein rabenschwarzes, dickes Haar hervorspriesst, bleibt ein Mysterium. Testosteron sei Schuld. Als ich in Delhi für den Direktor des Goethe Instituts die rechte Hand war, kam ab und zu eine deutsche Deutschlehrerin zu mir ins Büro. Diese End-50ziger Dame hatte scheinbar noch nie gehört, dass man mit einer Pinzette nicht nur Stachel aus dem Finger oder Briefmarken aus Alben herauszieht, denn an ihrem Kinn spriesste ein löchriger Wald langer grauer Haare. Heiliger Bimbam, wieso hat ihr keiner verklickert, wie unschön das ausschaut? Ich hab auch nur gestaunt und die Klappe gehalten, aber den Warnschuss hab ich mir hinters Ohr geschrieben. Fühl ich da vielleicht schon wieder was Hartes neben der Lippe? 12:10 Uhr. Over+out
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