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Sonntag, 2. November 2025

Die Heiligen aller

 

Dass wir tatsächlich an beiden Tagen auf dem Friedhof herumspazierten - am Tag der Allerheiligen und Allerseelen - war purer Zufall. Gestern musste ich Bücher abgeben ( die Zentralbibliothek in Kreuzberg hat netterweise sonntags geöffnet) und hinterher dachten wir 'ach lass uns doch mal auf DEN Friedhof', gleich nebenan am Mehringdamm. Der hiess nun witzigerweise auch Dreifaltigkeitsfriedhof (I) und war ebenfalls voll toter Berühmtheiten : vor allem liegen da die Mendelsohn-Bartoldys. Aber auch Werner von Siemens, ETA Hoffmann, Adalbert von Chamisso, Rachel Varnhagen und der Kreuzberger Hinterhofmaler Kurt Mühlenhaupt, den natürlich kein Schwein kennt. Immer toll zu sehen die wunderbar schmiedeeisernen Grabzäune. Bei einigen, uralten Grabstellen war wieder mega-Wildwuchs angesagt und mein Gartendaumen juckte wie verrückt. Einmal, bei dem vergessenen Friedhof bei uns in Neukölln, sah ich ein Grab ohne Grabstein, das einen ganz verwachsenen Rosenbusch hatte. Den stutzte ich im Frühjahr zurecht, um später zu sehen, ob er schön blüht. Im Sommer war ich dort, aber es waren keine Knospen zu sehen. Allerdings dachte ich 'Himmelsakra, was macht hier dieser ganze Plastikramsch (Dekoblumen)nochder muss weg'. Gesagt, getan, ich befreite diesen Ort von allen schädlichen Materialien (ein Container stand in der Nähe).  Und ein paar Wochen später will ich Göttergatte diesen Ort zeigen, da sind doch tatsächlich wieder kleine Plastikblumentöpfchen der hässlichsten Art unter meinem Rosenbusch. Das ist doch n dickes Ei! Geht da immer noch jemand an dieses namenlose Grab. Au weia, hätten die mich im Sommer bei meiner Aufräumaktion erwischt..... :-)

Naja, gestern mussten wir uns nach all den Toten erstmal beim "Burgermeister" stärken, das ist eine sehr erfolgreiche, deutsche (gegoogelt) Burgerkette.  Ich meinte zum Gatten, dass sich die Amis dieses Wortspiel im Namen nicht hätten ausdenken können. Er: "Wortspiel?"  War ihm gar nicht aufgefallen, dass der Name an den Bürgermeister erinnert.... Naja, ab und zu brauch ich mal Fleisch (für den vegetarischen Mann gibt es den Waldmeister) und komischerweise, wenn ich in solchen "Restaurants" in einer booth (wie nennt man diese 2-Bank-Sitzgegelegenheiten hier?) hocke, und meine Pommes bedächtig in die Mayo dippe... plötzlich fühl ich mich so frei. Die Gedanken fliessen, der Verkehrt draussen tobt drinnen still, und alle scheinen happy mit ihren meals;  man könnte hier gefühlt ewig hocken bleiben. Schon komisch, was? Was auch komisch ist, dass in allen Berliner Fastfoodketten nur noch Inder zu arbeiten scheinen. Komisch, weil sie wie die bessersituierten Inder ausschauen (Studenten), die in Indien keinen Finger rühren, das machen dort die lower castes und zuhause ihre "maids" für sie oder die Mommys. Somit freut es mich, sie fern der Heimat erwachsen werden zu sehen. 7:40 Uhr, over+out