Der Gefrierpunkt ist nach 6 Wochen geknackt: heute 9 Grad UND Regen. Naja, zu lustig darf's scheinbar nicht werden. Man bleibt also weiterhin im Trockenen und liest sich die Augen wund oder glotzt sinnlos in die Röhre (gerade den komplett irren Stralsund Krimi unter seelischen Qualen geschaut).
Ich bewahr mir immer ein paar ungelesene Artikel auf, die dann noch eine ganze Weile drauf warten müssen, bis ich endlich Bock auf sie hab. Beim Hervorholen derselbigen stieß ich gestern auf 2 Schicksale von Berühmtheiten, die wirklich vom Pech verfolgt, nein, deren Schicksal übel mitgespielt wurde. Ich rede von der britischen Aktivistin Jessica Mitford (Jahrgang 1917, berühmt, weil alle aristokratischen Mitford Schwestern in die Schlagzeilen gerieten) und dem amerikanischen Schriftsteller Kurt Vonnegut, Jahrgang 1922. Wir kennen das "bad luck" des Kennedy Clans und der Onassis Familie. Über Jessica las ich nun, dass mit nur 6 Monaten ihre Tochter an Masern starb. Jessicas Schwester Unity, eine Hitler Anhängerin, erschoss sich, stirbt aber daran erst 9 Jahre später. Jessicas Mann, ein Luftwaffenpilot, wird im Krieg über der Nordsee abgeschossen, er war 23. Ihr einziger Bruder stirbt zu Ende des 2.Weltkriegs in Burma. 1955 wurde dann ihr 11-jähriger Sohn von einem Bus totgefahren. Als sei das nicht schlimm genug, bringt sich ihr Schwager 1967 um. Heiliger Bimbam, kann es noch schlimmer kommen? Wie lebt man damit weiter?
Und Kurt? Er verpflichtete sich 1943 in der US Armee. Bevor er nach Belgien versetzt wird, besuchte er seine Mutter, die sich mit Schlaftabletten umbringt. Musste das bei seinem Besuch sein? In Belgien überlebt Kurt die Ardennenoffensive ("Battle of the Buldge"), wo 20.000 US Soldaten starben. Er wird mit 6000 Anderen von den Deutschen gefangen genommen und in Zugwaggons gepfercht. Auf der Fahrt werden die Züge von den eigenen Alliierten bombardiert. Wieder überlebt Vonnegut. Später landet er in Dresden, wo US Kriegsgefangene für Deutsche in einer Syrupfabrik arbeiten müssen. Während eines Bombenangriffs der Engländer auf Dresden werden sie in ein Schlachthauskeller geschickt und er überlebt den Feuersturm. Zurück in den USA - er ist verheiratet und hat 3 Kinder - kommt 1958 sein Schwager bei einem freak Zugunglück ums Leben. Zwei Tage später stirbt die Frau, Kurts Schwester, an Krebs und er muss ihre 4 Kinder aufnehmen. Glück und Pech so dicht bei einander. Wahnsinn!!!! Ist Schicksal vorbestimmt? Zieht Pech mehr Pech an? Wer weiß es schon. Luck und Happiness. Bei uns ist beides Glück. Aber nicht jedes Überleben ist ein Glücksfall.... Ich muss auf jeden Fall Vonneguts Buch "Slaughterhouse 5" lesen, wo er das Dresden Bombardement verarbeitet. Das ist das Gute am schlechten Wetter: lesen, lesen, lesen. In 11 Tagen sind wir in Neapel, dann ist Schluß mit dem Büchwerwurmdasein. 22:30 Uhr. Over+out

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