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Montag, 7. Juli 2025

Banales & Naiives

 

Das war mal wieder wie im richtigen Leben. Ich bin die einzig Blöde, die ab und an den Müll vom Bürgersteig bei uns aufhebt; und seit ein paar Wochen machen wir ja guerilla gardening, sprich wir haben ein Pupsbeet vorm Haus etwas verschönert. Aus dem Grund bin ich auch zu einer Art Else Kling motiert und fege tatsächlich, wenn wir die Pflanzen giessen, auch mal den Gehweg, in der Hoffnung, dass dann der ganze Baumkram etc doch noch mal vom Reinigungsdienst weggepustet wird (die Linden machen viel Dreck. Boah, bin ich ne olle Trutsche geworden!). Ja unglaublich, denn schon seit Monaten war kein Straßenfegermobil mehr bis zu uns vorgedrungen. Heute nun höre ich tatsächlich um vor 7 Uhr das Strassenfegermobil, rase zum Balkon, um zu schauen, ob's was bringt und was sehen meine kurzsichtigen Augen? Alles ist wie geleckt, nur vor dem Stück, dass ich immer fege - also auf die Straße dann, dort ist der ganze Dreck noch am Kantstein, denn ein Lastenauto der Bauarbeiter parkt schon früh morgens genau an der Stelle vor unserem Beet, wo dann nicht sauber gemacht werden kann.  Halleluja. ....     Bei der Rückkehr von meinen Einkäufen kommt gerade wieder eine Gruppe Architekten von der Baustelle gegenüber (36 Wohnungen in einem Fertigholzbau und einem Steinhaus, beide 4-stöckig), da springe ich schnell vom Rad und rufe: "Eine Frage: wann kommt denn die Plastikplane runter?" Bei dem Wind kann sich keiner vorstellen, was für ein Krach eine Rieseplane ums Haus gewickelt machen kann; heute natürlich komplett windstill, logo. Aber der ältere, schicke Architekt, der gerade sein Klapprad vom Laternenpfahl aufschliesst, meint lächelnd, dass die bald runter komme. Eine Kollegin kommt noch dazu, erklärt, dass es Verzögerungen gab. Gibt es die jemals nicht? Und dann trau ich mich gleich weiter zu nerven: "Und wo sollen dann die Autos der neuen Nachbarn alle hin?" Schliesslich wohnen wir in einer Kopfsteinpflaster-Dorfstrassen-Sackgasse. "Die kommen wie ich mit dem Rad", sagt doch tatsächlich das Naiivchen von Häuserdesigner. "Davon ist nicht auszugehen," gebe ich zurück,  "Mensch ist eben Mensch". Da hat die Kollegin den klugen Einfall: "Wenn die keinen Parkplatz finden, werden sie schon mit dem Fahrrad fahren".  Haahahah are you shitting me, lady?!  Schliesslich kann man den Käufern nicht nahelegen, ihr Auto schnell noch loszuwerden. Jeder wird denken 'och, ich werd hier schon was finden.' Wie dann die Müllabfuhr, das Strassenfegermobil, Lieferfahrzeuge und alles Andere hier durchkommen soll, das tangiert die Bauherren so was von garnicht. Sie werden hier nicht wohnen. Aber wenn ich Glück habe, werden sich genug von den Neuen über zu viel Papagei-Geflöte irgendwann und irgendwo beschweren. Hahahahah.   LIFE ! 16:10 Uhr, time for Wimbledon. Over+out.

Montag, 31. März 2025

Kerle

 Heute Morgen Gardinen zur Seite und Monsterkran vor der Nase. The mother of all Kräne, man oh man ! Das Ungetüm kam, um den alten Kran abzubauen. Da war was los. Hab den halben Tag mit filmen zugebracht. Das ist spannender als ein movie set. Einfach faszinierend, was Kerle mit den richtigen Maschinen alles in ein paar Stunden zerlegen können. Whoa!  Der neue Kran fuhr auf Domhöhe aus (62 m, ich hab gefragt), während auf dem Alten (im Hintergrund) zwei Typen die Oberteile auseinander schraubten. Schutzhelme trägt auf dieser Baustelle keiner;  am Ende sah ich die Akrobaten der Lüfte aber doch noch anseilen. Jedenfalls baumelten die abgetragenen Betongewichte und Stahlrohre verdächtig nah an unserem Balkon vorbei. Doch diese Kerle wissen was sie tun. Zwischendurch donnerten x-LKWS über unsere Kopfsteinpflaster-Sackgasse, die schon lange kein Sack mehr ist, um peu a peu alle Teile abzuholen. Auch beim Aufladen saß jeder Handgriff, das konnte der Laie von oben genau sehen:-)  Festzustellen nach bisheriger- circa 18-monatiger-- Tätigkeit als Baustellenbeobachterin: die Deutschen sind fürs Genaue, die osteuropäischen Arbeiter eher für's Grobe zugeteilt. Sie zersägen zB die großen Sand-oder Backsteine für´s 2.Haus, tragen dabei weder Ohren, Augen-oder Mundschutz, während ihnen der Feinstaub um die Nase fliegt. Oh well....Die Deutschen lassen um Punkt 16 Uhr den Hammer fallen, die Balkanesen, Slaven etc malochen bis 18 Uhr und samstags halben Tag, wobei alle um halb 7 in der Früh antreten. Geraucht wird viel, gewitzelt ebenso. Pausen um genau 9 Uhr und mittags noch mal, da sieht man sie zu Norma traben. Ab und an kommt mal ein jungscher Architekt mit BioRegenjacke und designer Rucksack auf dem Rennrad angedüst (die Holzfertigbaukonstruktion soll ein Projekt der TU Braunschweig sein) , da sieht man dann, welche Welten diese Berufsgruppen der Blaupausenzeichner und Handwerker trennen. Oha Oha.


Tja, wer wird in Zukunft Stein auf Stein legen, Toilettenschüsseln einbauen, Rohre verlegen, Gerüstbau betreiben, Fenster einsetzen, Dachziegel legen, Schornsteine reinigen, wenn alle lieber am Computer sitzen, und sich das Mittagessen per Fahrradsklave liefern lassen?  Da fällt mir ein, auch nach 50/ 60 Jahren Frauenemanzipation hab' ich jedenfalls noch nie eine Frau auf einer Baustelle gesehen. Deutsche Maurer auch schon ewig nicht mehr. Damals wurde noch gerne Bier bei der Arbeit gesüffelt. Good ol' days. Hahahah! So! 17:30 Uhr Neuzeit. Over+Out.