Was man in nur 9 Tagen in Süditalien recht schnell erkennt, ist was Deutschland weitestgehend verloren gegangen ist : Nationalstolz, Glaube und Familienbande ( achja und Stil). Vielleicht ist das gut so, mein Gefühl sagt aber 'es fehlt uns da was'. Natürlich gibt es in Neapel fast an jeder Ecke eine Kirchentür. Katholiken sind nun mal die Gläubigeren, das sieht man ja in Bayern. Unsere Unterkunft lag direkt neben solch einer Kirche, die uns jeden Morgen und Abend kurz daran erinnerte -bimbam bimbam bimmellim- und wenn wir früh durch unsere kleine Tür des gewaltigen Palazetto -Tors stiegen, gingen auch die Ersten schon forschen Schrittes in diese kleine Santa Lucia Chiesa. Mal eben kurz vorm Büro ein paar Ave Marias, why not? Wir glauben ja an garnix mehr und das ist auch nicht ideal. In Neapel stehen ich weißnichtwieviele historische Gestalten auf Sockeln, es gibt scheinbar allerlei zu bewundernde Helden. Beim Rundgang durch die alten Viertel sieht man überall Napolis Blau-Weiß und den größten Held überhaupt: Diego Maradona, die 10, der Fußballgott, den man noch mehr liebt als den Papst, obwohl er Argentinier war. Seht selbst . Und immer wieder große Familiengruppen und alte Leute, eingehakt bei ein oder zwei Töchtern, Nichten oder Kusinen, plappernd bei einem Spaziergang. (Oh dio mo, die Italiener können nicht aufhören zu sabbeln. Permanent am Telefon in jeder erdenklichen Lage, auf dem Motorroller mit Zigarette im Mundwinkel, auf dem Schnellboot nach Ischia bei ohrenbetäubendem Lärm, egal wo, sie hängen an der Strippe, eh am smartphone) Was all das bedeutet: Leben natürlich. Herrlich, als mir eine alte Dame, die bei offener Tür an ihrem Küchentisch saß, ein "Ciao, bella" zuruft und winkt. Ich fühlte dort diesen starken Zusammenhalt, die Zusammengehörigkeit und ein Selbstbewusstsein, das uns Germanen irgendwie abhanden gekommen ist, und das uns schwach sein lässt. Apropos selbstbewusst, in Napoli gab es jede Menge Polizisten, die natürlich auch immer lachend und plappernd ihren Dienst taten; vielleicht waren deshalb die Straßenverkäufer, die einem Souvenirs andrehen wollen, weniger nervig?... Anyway, was auch klar ist: die Italiener, wie die Spanier, geben sich Mühe und ziehen sich zum Stadtbummel richtig fein an. Schön! Ach und das Limonensorbet, heiliger Bimbam, ist das lecker. Verzichten können wir allerdings auf die Pizza Neapolitana, die mittig so wabbelig ist, das alles, was drauf liegt sofort runterfällt. Was jedoch meine grösste Lektion dieser Reise war: ich muss garnicht mehr Verreisen. Immer übern Tellerrand? Der eigene Teller ist doch so voll und schön. Man, ich war noch nie am Bodensee, im Schwarzwald, in der Eifel, hab noch nie ne Rheinfahrt gemacht, will unbedingt wieder nach Fehmarn, krieg vom Walchensee nie genug, und Görlitz und Dresden dürfen mich auch ein weiteres Mal faszinieren. Mit anderen Worten: ich bin alt geworden. Tja, wenn Eine eine Reise tut. 07:10 Uhr. Over+out
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Freitag, 13. März 2026
Übern Tellerrand
Wenn einer eine Reise tut, dann lernt er viel. Moin! Tja, Neapel war natürlich 0 Erholung, klaro, aber trotzdem die Erfahrung wert. Abgesehen von den noch nicht umwerfenden Temperaturen, dem Wahnsinnsverkehr, vom holprigen Pflaster und Hundekacke überall (Look down!), den vielen Baustellen und dem Pech, dass viele Orte, die man besuchen wollte, irgendwie gesperrt oder geschlossen waren, konnte ich doch allerlei mitnehmen von bella Italia. Nein, nicht nur Limonenlikör, Vespa Magnete und saustarkem Espresso, sondern eher Gedanken zur Lage der eigenen Nation. Achtung, jetzt kann's philosophisch werden...
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