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Sonntag, 19. April 2026
Déja-Vus
Das Komische beim Reisen an Orte, an denen man früher schon mal war oder sogar gelebt hat, ist, dass man sich erst dann - also vor Ort- wieder an Sachen erinnert, die schon längst im verstaubten Gedächtnishinterstübchen verschollen geglaubt waren. So stand ich in Heidelberg zum Beispiel plötzlich vor der Stadtbücherei, und sofort musste ich an das geklaute Buch denken, dass ich mit in die USA nahm, aber letztendlich doch voller Schuldgefühle zurück an die Bücherei schickte. Nur was war das für ein tolles Buch , dass ich unbedingt nicht wieder hergeben wollte? WHO KNOWS? Und als ich von der alten Neckarbrücke Richtung Schloss taumelte, fand ich mich auf dem Marktplatz wieder, wo ich - ohne es geplant zu haben- genau auf das Kneipencafé zusteuerte, in dem ich an meinem 42.Geburtstag schon einmal mit Göttergatte gesessen hatte. Als ich ihm nach meiner Rückkehr davon erzählte (wo sind denn bittechön die Fotos von damals?), fiel ihm wiederum sofort ein, dass er dort auf dem Markplatz zum ersten Mal Japaner mit Masken über dem Mund gesehen hatte. Allerdings sei erwähnt, dass 2004 auch sein 1.Mal in Europa war. Die Japaner dachten wohl, dass es der verseuchte Westen ist vor dem man sich schützen müsste, nicht ahnend natürlich, dass 15 Jahre später die ganze Welt mit medizinischen Masken rumlaufen würde. Was ich bei dieser kleinen Reise total unterschätzt hatte, war die Dimension der Stadt. Damals hatten wir nämlich noch ein Auto, aber als Fußgänger sah die Chose schon anders aus, da wurde Heidelberg auf einmal viel größer. Ebenso überrascht war ich dann, so viele blonde Schulkinder in den Busses zu sehen. Die sind bei uns durchweg schwarzhaarig. Und zugegebener Weise hatte ich früher noch Träume vom Vorstadtleben. 20 Jahre später fand ich die Siedlungen vor der Stadt zwar in schönster Umgebung, aber die geleckten Steinvorgärten und dicken SUVs vor den Garagen doch befremdlich. Nur was genau ist das Mittelding zwischen vermüllten Berliner Stadtteilen und spießigen Reihenhaussiedlungen? Wahrscheinlich 'ne Ferienwohnung im Harz oder auf Mallorca. Werde es wohl in diesem Leben nicht mehr herausfinden. 11:07 Uhr. Over+out
Mittwoch, 25. März 2026
Übern großen Teich
Howdy doody, wie schon erwähnt, musste Göttergatte Montag nach Florida düsen. Am Flughafen in Tampa dann lange Schlangen für die ausländischen Einreisenden, von denen Fingerabdrücke genommen wurden! Holy smokes! Als ich das meiner Nichte erzählte, die gerade in Hong Kong studiert und überall in Asien rumdüst, meinte sie aber, dass das in China und Japan schon Standard wäre. Oha oha.... Nun hat hubby also sein erstes fettiges Ami Fühstück ohne mich eingenommen... Naja sei's ihm gegönnt, vorallem die Nähe zum Meer, dem Golf of MEXIKO, Herr Trumpf! Nur 3 Minuten zu Fuß zu einem riesigen, leeren Strand. Heidewitzka. Aber beim Baden solle man auf Stachelrochen aufpassen, meinte die Kollegin, die würden sich gerne in Ufernähe im Sand einbudeln. Also erst etwas mit den Füßen scharren. Hubby zieht nach der Ansage den Pool vom airbnb vor. Logo. Tja, ich war 1999 zuletzt in der Ecke. Der erste Florida Besuch an der anderen Küste bereits 1981. Daytona Beach, alles voller Autos am Strand, haben wir doof geguckt. Aber als wir, meine Freundin und ich, in einem Pizza Laden Rotwein bestellten, haben uns die Kellner doof angeguckt. Alkohol in einer Pizzeria??? Niet. Wir waren widerum die Blödiane, weil wir 2 Pizzen bestellten, nichts ahnend, denn dort sind es nun mal family size Pizzen, riesige Dinger, die sich alle teilen, nicht wie bei unseren Italienern. Ha, da hatten wir was zu tun. Tja andere Länder, andere Sitten. Göttergatte musste beim Frühstück im "Waffle House" allerlei ungewohnte Fragen beantworten: How do you want your eggs? Coffee with Milk or HalfandHalf, white or wheat (toast) usw. Hashbrowns or grits? Hahahah das dauert. Ich fuhr 1981 noch weiter mit dem Greyhound Bus nach Virginia, dann nach New York, wo wir Verwandte hatten: die Witwe des Bruders meiner Oma lebte damals noch in Brooklyn (ausgewandert waren sie 1923). Das ist aber ne andere Geschichte. Jetzt muss ich mein 5.Buch vom Lesestapel zu Ende bekommen > Mascha Kaléko in New York 16:59 Uhr Over+out
Montag, 23. März 2026
OLD Couple 5
So, hubby fliegt heute nicht nach Indien, die Katze <<< lebt auch nicht mehr, aber Koffer mussten gestern tatsächlich gepackt werden für einen business trip nach Florida. Göttergatte weilt noch über dem Atlantik, aber ausgerechnet heute hat Trumpfbacke seine Proleten Agenten in die Flughäfen geschickt, weil das Bodenpersonal, das schon seit Wochen nicht bezahlt wurde, nun nicht mehr zu Arbeit erscheint, und sich die Abfertigungsschlangen bis nach Timbuktu ergießen. Heisst also, dass hubby Freitag zum Rückflug ( über NYC) am besten schon Donnerstag Nacht auf der airport Matte steht. Nee oh nee. Und bei der Lufthansa Buchung ab Frankfurt, musste er heute Mittag dort in ein "Discover" Flugzeug steigen. Ich krieg scheinbar nichts mehr mit. Das soll ne Lufthansa Tochter sein... Ach, Eurowings war das mal. ... Klar ist auf jeden Fall: Reisen geht nicht mehr ohne Plan B, C und D, d wie discover (= entdecken, zB. dass dein Flug ausfällt, der Flieger umgeleitet wird, 6 Stunden Verspätung hat, sie dich nicht ins Land lassen, du wegen der langen check-in Schlange deinen Anschluss verpasst, usw und so heiter). Happy travels!
Freitag, 13. März 2026
Übern Tellerrand
Wenn einer eine Reise tut, dann lernt er viel. Moin! Tja, Neapel war natürlich 0 Erholung, klaro, aber trotzdem die Erfahrung wert. Abgesehen von den noch nicht umwerfenden Temperaturen, dem Wahnsinnsverkehr, vom holprigen Pflaster und Hundekacke überall (Look down!), den vielen Baustellen und dem Pech, dass viele Orte, die man besuchen wollte, irgendwie gesperrt oder geschlossen waren, konnte ich doch allerlei mitnehmen von bella Italia. Nein, nicht nur Limonenlikör, Vespa Magnete und saustarkem Espresso, sondern eher Gedanken zur Lage der eigenen Nation. Achtung, jetzt kann's philosophisch werden...
Was man in nur 9 Tagen in Süditalien recht schnell erkennt, ist was Deutschland weitestgehend verloren gegangen ist : Nationalstolz, Glaube und Familienbande ( achja und Stil). Vielleicht ist das gut so, mein Gefühl sagt aber 'es fehlt uns da was'. Natürlich gibt es in Neapel fast an jeder Ecke eine Kirchentür. Katholiken sind nun mal die Gläubigeren, das sieht man ja in Bayern. Unsere Unterkunft lag direkt neben solch einer Kirche, die uns jeden Morgen und Abend kurz daran erinnerte -bimbam bimbam bimmellim- und wenn wir früh durch unsere kleine Tür des gewaltigen Palazetto -Tors stiegen, gingen auch die Ersten schon forschen Schrittes in diese kleine Santa Lucia Chiesa. Mal eben kurz vorm Büro ein paar Ave Marias, why not? Wir glauben ja an garnix mehr und das ist auch nicht ideal. In Neapel stehen ich weißnichtwieviele historische Gestalten auf Sockeln, es gibt scheinbar allerlei zu bewundernde Helden. Beim Rundgang durch die alten Viertel sieht man überall Napolis Blau-Weiß und den größten Held überhaupt: Diego Maradona, die 10, der Fußballgott, den man noch mehr liebt als den Papst, obwohl er Argentinier war. Seht selbst . Und immer wieder große Familiengruppen und alte Leute, eingehakt bei ein oder zwei Töchtern, Nichten oder Kusinen, plappernd bei einem Spaziergang. (Oh dio mo, die Italiener können nicht aufhören zu sabbeln. Permanent am Telefon in jeder erdenklichen Lage, auf dem Motorroller mit Zigarette im Mundwinkel, auf dem Schnellboot nach Ischia bei ohrenbetäubendem Lärm, egal wo, sie hängen an der Strippe, eh am smartphone) Was all das bedeutet: Leben natürlich. Herrlich, als mir eine alte Dame, die bei offener Tür an ihrem Küchentisch saß, ein "Ciao, bella" zuruft und winkt. Ich fühlte dort diesen starken Zusammenhalt, die Zusammengehörigkeit und ein Selbstbewusstsein, das uns Germanen irgendwie abhanden gekommen ist, und das uns schwach sein lässt. Apropos selbstbewusst, in Napoli gab es jede Menge Polizisten, die natürlich auch immer lachend und plappernd ihren Dienst taten; vielleicht waren deshalb die Straßenverkäufer, die einem Souvenirs andrehen wollen, weniger nervig?... Anyway, was auch klar ist: die Italiener, wie die Spanier, geben sich Mühe und ziehen sich zum Stadtbummel richtig fein an. Schön! Ach und das Limonensorbet, heiliger Bimbam, ist das lecker. Verzichten können wir allerdings auf die Pizza Neapolitana, die mittig so wabbelig ist, das alles, was drauf liegt sofort runterfällt. Was jedoch meine grösste Lektion dieser Reise war: ich muss garnicht mehr Verreisen. Immer übern Tellerrand? Der eigene Teller ist doch so voll und schön. Man, ich war noch nie am Bodensee, im Schwarzwald, in der Eifel, hab noch nie ne Rheinfahrt gemacht, will unbedingt wieder nach Fehmarn, krieg vom Walchensee nie genug, und Görlitz und Dresden dürfen mich auch ein weiteres Mal faszinieren. Mit anderen Worten: ich bin alt geworden. Tja, wenn Eine eine Reise tut. 07:10 Uhr. Over+out
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